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Das Traineeship in der Krise?

By 14. Juni 2019 Juni 17th, 2019 No Comments

Im PR-Journal ist kürzlich ein Artikel zum Thema Traineeship in Agenturen erschienen. Berichtet wurde von einem Treffen der GPRA und der Public Relations Initiative Hohenheim (PRIHO), die über den Einstieg ins Agenturleben diskutierten und der Frage nachgingen, ob und inwiefern das Traineeship eines „Rebrandings“ bedarf. Helena Binder, Trainee bei markenzeichen, beleuchtet, was ein gutes Traineeship ausmacht und wie beide Seiten von klareren Rahmenbedingungen profitieren können.

Studienabschluss, und nun?

Es ist noch nicht so lange her, da habe ich mir genau diese Frage gestellt. Vor circa einem Jahr befand ich mich im Endspurt der letzten Klausuren und arbeitete mit Hochdruck an der Abgabe meiner Bachelorthesis. Danach die große Frage: Wie geht es nun weiter? Klar war mir bereits, dass ich etwas mit PR und Marketing machen möchte. Doch wie und auf welchem Niveau gelingt der Einstieg? Was wird mich erwarten? Und worauf muss ich mich bei einem Traineeship im Vergleich zum Direkteinstieg oder Volontariat einstellen?

Fragen über Fragen – und viele nichtssagende Antworten. Denn recherchiert man zum Thema, fällt vor allem eins auf: Es gibt keine einheitliche Definition des Traineeships in Agenturen. Ansprüche und Erwartungen bleiben oft unter einem undurchsichtigen Dunstschleier. Nicht gerade das, was man sich als Berufseinsteiger erhofft.

Trainee ist (nicht) gleich Trainee?

An der Frage nach dem Traineeship scheiden sich die Geister. Die einen kritisieren vorrangig die fehlende Transparenz in Bezug auf Anforderungen, Gehälter, Inhalte und Mehrwerte. Für sie stellt sich die Frage, weshalb sie zunächst noch weitere Zeit und Geld in ihre Ausbildung stecken sollten, wenn sie doch praxisnahe Studiengänge, Praktika und Werkstudententätigkeiten mitbringen. Es wirkt als stünde das Traineeship dem Verlangen nach Eigenständigkeit und beruflichem Aufstreben im Weg.

Natürlich geht es auch anders. Viele Berufseinsteiger blicken wohlwollend und zufrieden auf ihre Zeit als Volo oder Trainee zurück. Auch ich bin mit dem Verlauf meiner Traineezeit glücklich und froh über meine Entscheidung.

Mein Traineeship bei markenzeichen

Gegenwärtig bin ich als Trainee für PR und Social Media bei markenzeichen. Bereits im Vorstellungsgespräch erhielt ich hier einen klar strukturierten „Trainee-Fahrplan“, der mir einen genauen Ablauf des Traineeships aufgezeigt hat. Einarbeitung, Vertiefung und Eigenverantwortung – diese drei Etappen durchläuft das Traineeship bei markenzeichen. Im Fahrplan ist detailliert vermerkt, welche Themen, Inhalte, Skills und welches Know-how ich wann und wie erlerne, beispielsweise:

  • Einarbeitung: Kennenlernen von Agentur (Credential, Themen, Bereiche) und Kunden (Ansprechpartner, Struktur, Marken, Projekte)
  • Vertiefung: Ausbau der Kenntnisse in klassischer PR, Influencer Relations und Social Media-Marketing sowie Umsetzung erster eigener Kooperationen und Mini-Projekte
  • Eigenverantwortung: selbstständige Umsetzung und Koordination von Kundenprojekten und Einarbeitung in Budgetthemen

Darüber hinaus ist aufgeführt, an welchen Weiterbildungen ich in dieser Zeit teilnehme. Auch regelmäßige Feedbackgespräche sind bereits fest eingeplant. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass ich regelmäßig Rückmeldung von meinem Team-Lead bekomme. Gemeinsam sprechen wir dann über meinen Fortschritt sowie den weiteren Verlauf meiner Traineezeit. So können Weiterbildungsmaßnahmen und einzelne Elemente des Fahrplans individuell auf meine persönliche Entwicklung angepasst werden. Bereits von Beginn meines Traineeships an konnte ich einen Beitrag zu verschiedenen Kundenprojekten leisten und meine Verantwortungsbereiche nach und nach weiter ausbauen. Und genau dafür sollte ein gutes Traineeship stehen: Eigenverantwortung lernen, Kenntnisse stetig ausbauen und Potentiale individuell fördern.

Traineeship reloaded – oder was braucht es?

Dass sich Bewerber teils nicht ausreichend informiert fühlen, was sie während der Traineephase in einer Agentur erwartet, wirft vor allem eine Frage auf. Warum haben Agenturen Schwierigkeiten damit, ihr Traineeship gegenüber potentiellen Bewerbern attraktiv zu vermarkten? Während das Verkaufen der eigenen Leistungen gegenüber Kunden auf der Tagesordnung steht, bedarf es in Bezug auf den Nachwuchs noch etwas Nachbesserung. Wenn Agenturen eins verstehen müssen, dann, dass viele Absolventen dem Traineeship die Notwendigkeit absprechen, weil sie keine stichhaltigen Argumente dafür geliefert bekommen.

Die Frage, ob es wirklich eines Rebrandings bedarf, ist meiner Meinung nach schnell beantwortet. Agenturen müssen handeln, damit ihre Traineeship- und Volontariatsangebote wieder an Attraktivität gewinnen. Die Lösung hierfür ist auch ganz simpel: Absolventen, Berufseinsteiger und potentielle Bewerber wünschen sich Klarheit. Mein Appell: Transportiert Inhalte und betreibt mehr Employer Branding – gebt euren Trainees das Wort! Zeigt, was ein Traineeship besonders macht, wo die Schwerpunkte liegen und verdeutlicht die individuellen Vorzüge!