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Fünf ultimative Tipps für schlechte PR – Oder: Was man besser nicht machen sollte.

By 28. Mai 2015 No Comments

Das Internet liebt Listen und Aufzählungen. „10 Dinge die nur Menschen kennen, die in den 90ern groß geworden sind“ oder „Mit diesen 12 Tipps packst du es in jeden Club“ ordnen das Leben in tolle Schubladen. Schöne, einfache Welt! Auch die PR und ihre artverwandten Bereiche scheinen hochkomplexe Gebilde zu sein, die es in Listen zu packen gilt. Es braucht nicht mehr, um ein Experte zu sein: Wofür braucht man Praxis, wenn es doch das Internet mit seinen zahlreichen Tipps gibt?

Da wir gerne einmal um die Ecke denken und Dinge anders anpacken, präsentieren wir heute daher nicht die 10 Tricks für gute PR, sondern: Die fünf ultimativen Tipps für schlechte PR! Aus diesen Tipps lernt man schließlich, wie man es besser nicht machen sollte.

1. PR kann doch jeder!

Kann man PR bundesweit eigentlich als eigenständiges Fach studieren? Abgesehen von einigen wenigen Universitäten wie der Uni Leipzig noch nie davon gehört. Bedeutet im Umkehrschluss doch, dass es für PR nicht viel braucht, oder? Schreiben kann schließlich jeder und im Internet findet man auch tolle Vorlagen für Pressemitteilungen. Einfach sämtliche Hinweise von PR-Ratgebern befolgen, nicht über ausbleibende Erfolge wundern und bitte nicht vergessen: Es kommt bloß darauf an, schreiben zu können.

Dass die PR viele Unterkategorien besitzt und verschiedenste Branchen bedient, ist doch bloß eine Erfindung der PR-Industrie, um horrende Budgets abzuknappen! Wer Technik-PR kann, dem wird auch die Beauty-PR leicht von der Hand gehen – Hauptsache die Schreibe stimmt!

2. Journalisten – Man, sind die praktisch!

Medien und Journalisten sind eine großartige Erfindung der demokratischen Gesellschaft! Schließlich werden manche Blätter gleich von Millionen Menschen gelesen – einfacher kommt man an potentielle Kunden nicht ran! Klar gibt es auch die Möglichkeit zu werben, aber das Budget kann man sich sparen. Journalisten verbreiten meine Botschaft schließlich kostenfrei. Einfach anschreiben, Story vorstellen, zwei Tage später kurz anrufen, ob die Meldung angekommen ist und nachfragen, wann man mit der Veröffentlichung rechnen kann. Das Ganze ist ein Geben und Nehmen: Der Journalist erspart sich die mühevolle Suche nach spannenden Inhalten, man selbst muss keine Werbeplätze kaufen.

Das ist der wesentliche Kernpunkt schlechter PR: Den Journalist einfach als kostenfreien Multiplikator meiner Werbebotschaften ansehen. Hat man dies verinnerlicht, macht man alles richtig. Zumindest, wenn man einen schlechten Job machen will.

3. Mit Superlativen überzeugen!

Der Journalist muss dafür natürlich auch von meiner Message überzeugt sein. Gut hierfür eignen sich tolle Superlative, mit denen man sich gut von seinen Wettbewerbern abgrenzen kann. Besonders beliebt: „innovativ“, „einmalig“ oder „überzeugend“. Damit nimmt man den Medien auch gleich die Denkleistung ab, die Message richtig zu verordnen – ein klasse PR-Service! Einmal überzeugt, folgt dann auch gleich die Veröffentlichung. Und zwar in Massen. Schließlich hat man ja auch etwas Innovatives zu bieten.

4. Viele Kanäle, ein Format.

Denken Sie sich bitte einmal 100 Jahre zurück. Die Medienlandschaft im Jahr 1915 war recht überschaubar: Außer Printmedien, Litfaßsäulen und dem Radio gab es keine weiteren Kanäle, mit denen man seine Botschaften zum Konsumenten bringen konnte. Zum Glück gibt es den technologischen Fortschritt!

Heutzutage steht eine schier unüberschaubare Armada an Kanälen bereit: Print wie Online, Out-of-Home oder Onscreen, Social Media oder Mobile… Um hierbei nicht den Überblick zu verlieren, sollte man möglichst effizient vorgehen und möglichst alle Kanäle mit der gleichen Botschaft, am besten gleich auch mit demselben Format, penetrieren. So spart man sich die mühevolle Arbeit, den Content an den jeweiligen Kanal anzupassen und dessen Besonderheiten zu berücksichtigen. Wichtig ist nur, dass der Konsument die Botschaft empfängt. Und dafür gibt es ja Multiplikatoren (siehe Tipp 2!).

5. Die Pressemitteilung: Allzweckwaffe schlechter PR.

So wie man die Kanäle im Rahmen schlechter PR nicht weiter beachtet sollte, kann man sich auch bei der Aufbereitung der Botschaft entspannt zurücklehnen. Dank der Pressemitteilung, der Allzweckwaffe der PR, ist es ganz komfortabel, eine Botschaft darzustellen. Einfach herunterschreiben (Tipp: Schauen Sie im Internet doch einmal nach „10 Tipps für die perfekte Pressemitteilung“!), in eine Mail packen und raus an die Multiplikatoren. Mehr braucht es für schlechte PR nicht. Konzeptionsleistung, Kreativität oder neue Ansätze sind doch eher etwas für die schillernden Kollegen aus der Werbung.

Fazit: Spaß beiseite. Ist man als Agentur oder Dienstleister an guter und nachhaltiger PR interessiert, sollte man neben einer gehörigen Portion Wille und Elan ein paar Dinge beachten: Die Aufgabe sollte zwingend ernst genommen werden. Nicht ohne Grund hat sich die PR-Branche seit mehr als 100 Jahren im Marketing-Kanon etablieren können – mit eigens ausgebildeten Spezialisten, die ihr Handwerk beherrschen.

Zweitens gilt es, Journalisten als Menschen zu respektieren. Dies ist das eigentliche und einzige Geheimnis im Umgang mit den Medien: Sehen Sie nicht bloß den Kanal, sondern die Menschen, die diesen tagtäglich mit Inhalten füllen – schon werden Sie dem Medium völlig automatisch anders gegenübertreten: Respektvoll, Dialogorientiert und auf Augenhöhe.

Sieht man – Drittes – nun noch den jeweiligen PR-Gegenstand als formbare Masse an, den man mit Elan in spannenden, kanalgerechten Content verwandeln kann (und sollte), kann man die fünf ultimativen Tipps für schlechte PR getrost durchstreichen und in die Tonne werfen. Schließlich weiß man nun, wie man es besser macht.