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#thedress – von Internet-Hypes und ihren Spielverderbern

By 2. April 2015 No Comments

Es war eine simple Frage, die das Internet Anfang des Monats in Aufruhr versetzte. Welche Farbe hat das Kleid? Es entbrannten hitzige Diskussionen ob es nun blau-schwarz oder weiß-gold sei, an denen sich selbst viele Stars mit großem Eifer beteiligten. Den dadurch entstandenen Hype um die richtige Farbkombination hätte so wohl niemand vorhersagen können. Doch wie immer bei großen medialen Trends, gibt es auch hier eine Gruppe von Menschen die sich von der allgemeinen Begeisterung nicht anstecken lassen wollen. Aber worin liegt die Motivation dieser Personen ihr Desinteresse auch Öffentlich zu machen?

Es begann alles mit einer Bloggerin und ihren Freunden, die sich einfach nicht über die Farbe eines Kleides einig werden konnten. Um Klarheit zu schaffen veröffentlichte sie das Foto auf ihrem Blog, mit der Hoffnung auf den entscheidenden Hinweis. Doch schnell stellte sich heraus, dass diese Frage gar nicht so leicht zu lösen war. Millionen Leute waren fasziniert und teilten das Bild mit ihren Freunden. Unter den eigens dafür kreierten Hashtags #dressgate und #thedress wird seitdem über die korrekte Färbung gestritten. Wissenschaftler haben mittlerweile festgestellt, dass es sich hierbei um eine sehr ausgeprägte Form eines Wahrnehmungsproblems handelt. Jedes Gehirn verarbeitet Farbinformationen abhängig von den Lichtverhältnissen unterschiedlich, dadurch entsteht der Effekt, dass einige Menschen das Kleid weiß-gold, andere es hingegen blau-schwarz sehen.

Wie schnell ein Hype im Internet entstehen kann ist in den letzten Jahren immer deutlicher geworden. Ein nationaler Trend war beispielsweise das Video der Poetry-Slammerin Julia Engelmann, die auf eine moderne Weise die Probleme des Erwachsenwerdens thematisierte und damit einer ganzen Generation aus der Seele sprach. Internationales Aufsehen löste letzten Sommer die Ice-Bucket-Challenge aus. Um auf die Nervenkrankheit ALS Aufmerksam zu machen, kippten sich zahlreiche Prominente einen mit Eiswasser gefüllten Eimer über den Kopf.

Wie bei jedem viralen Trend, gab es auch in dem Fall von #thedress einen Teil der Bevölkerung, der sich nicht für diese unglaubliche Ausnahmeerscheinung begeistern konnte oder wollte. Sogleich hagelte es Kritik. Julia Engelmanns Gedicht sei viel zu kitschig und die Ice-Bucket-Challenge nur ein Mittel zur Selbstdarstellung. Diese und viele weitere negative Meinungen findet man zu den aufgeführten Beispielen im Netz.

Hinzu kommen die Personen, die derartige mediale Ereignisse für überflüssig und halten. Sie geben sich teilnahmslos und uninteressiert gegenüber dem allgemeinen Trubel und ihre augenscheinliche Gleichgültigkeit machen sie öffentlich, indem sie kommentieren oder tweeten, wie unberührt sie doch das Ganze lässt. Hiermit verfolgen sie das Ziel sich von der Masse abzuheben und kein Bestandteil der allgegenwärtigen Hysterie zu werden. Gegen den Strom schwimmen lautet hier die Devise. Auch Prominente bilden hier keine Ausnahme, ein Beispiel dafür ist der Bestseller Autor George R.R. Martin, dieser schrieb unter anderem die erfolgreiche Buchreihe „Game of Thrones“. Außerdem ist Martin bekannt dafür sehr beliebte Charaktere sterben zu lassen, er tweetete: „If this talk about #thedress doesn’t stop, Tyrion‘s gonna pay for it“.

Es ist das Bedürfnis nach Abgrenzung, welches die Menschen dazu bringt, solche Äußerungen zu treffen. Ferner möchten sie ihre Individualität betonen, die in der heutigen Zeit, ebenso wie der Charakter, eine wichtige Rolle spielt. Zudem soll nicht der Eindruck erweckt werden, dass ihnen der neuste virale Trend entgangen sei, dies macht somit eine Veröffentlichung zu dem aktuellen Thema unverzichtbar. Ironischerweise werden sie genau dadurch ebenfalls zu einem Element der allgemeinen Aufregung und ihre eigentliche Intention die Distanzierung gerät in den Hintergrund. Im Zweifel verstärken sie die Popularität des entsprechenden Ereignisses sogar indem sie diesem einer neue Zielgruppe zugänglich.

Der Kreis von Menschen, der hier beschrieben wird, stellt sich prinzipiell gegen jede Form der medialen Aufmerksamkeit und verkörpert damit ein eigenes kleines Phänomen, welches sicherlich lohnenswert wäre einmal wissenschaftlich untersucht zu werden. Man muss nicht zu jeder Angelegenheit seine Ansicht äußern, wie viele das im Internet anscheinend annehmen. Manchmal ist Schweigen auch das bessere Statement.